Jeu de Cocagne
Wo ist das Schlaraffenland? Alte Jahrmarkts-Zeichnungen zeigen ein Spiel, in dem es um das Schlaraffenland geht...

Wo ist das Schlaraffenland?

Das Land des Überflusses, wie man das Schlaraffenland nennt, liegt in Südfrankreich in der Region Midi-Pyreneés. Wie ein Dreieck bilden die südfranzösischen Städte Albi, Toulouse und Carcassonne den Rahmen für das echte Schlaraffenland. Geniesser und Gourmets bezeichnen ihren Urlaub in Südfrankreich auch gern als Ferien im Schlaraffenland - sie ahnen nicht, wie nah sie damit der Wahrheit kommen.

Das Schlaraffenland gibt es wirklich - in Südfrankreich!

Das Land der Völlerei und des Überflusses, so nennen wir das Scharaffenland, hat in vielen europäischen Sprachen fast den gleichen Namen: Englisch "the Land of Cockaigne“, oder "Cokaygne“, Italienisch "Cuccagna", flämisch auch als "Het Luilekkerland" ("Land der süßen Leckereien"), oder "Kokanje" und „Cockaengen". In den Niederlanden sprach man von der Stadt Kockengen in der Provinz Utrecht als von "Het Land van de honingkoeken": "Das Land der Honigkuchen". Man spricht selbst bei Menschen, die der Völlerei anhängen und vor allem bei Essen und Trinken oder beim Genuss deutlich übertreiben, von Schlaraffen.

Woher kommt der Name Schlaraffenland wirklich?

Das Wort "Schlaraffenland" wird 1305 bezeugt aus dem Alt-Französisch "coquaignes“ oder „cogagnes“ (Sprich: Kokanjes)Auch wenn es ein wenig nach dem Lateinischen "coquere", oder „cooking“ (Englisch "kochen") oder wie andere germanische Wörter wie cookie oder auch Biscuit klingt, so ist Schlaraffenland als Begriff so entstanden:
Im 16. Jahrhundert produzierte das zwischen Toulouse, Albi und Carcassonne gelegene Lauragais jährlich 30-40tausend Tonnen Agranat. Der aus den Blättern des Waidbaums gewonnene Farbstoff mit einem hohen Anteil an Indigo, der auch heute noch als "blue Cocagne" in Fachkreisen bekannt ist, verlieh dem Lauragais zunächst den Namen „blaues Dreieck“. Die langen und dicken Blätter wurden durch den so genannten Zahnmahlstein von Waidmühlen zermalmt und zu Kugeln, den so genannten „Schlaraffen“ (frz.: Cogagnes) geknetet, die auf Trockengestellen (Waidtrockner) gelagert wurden. Die Schraffen wurden anschliessend zerstossen und waren nach mehr als sechsmonatiger, gründlicher Bearbeitung und sorgfltiger Behandlung in Pulverform gebrauchsfertig und zur Anwendung als Färbemittel bereit. Da es für die Herstellung des schnell beliebter werdenden Produkts keine Konkurrenz gab, konnten die Waldbesitzer und Händler enorme Preise erzielen und wurden reich. Herrschaftliche Stadthäuser einiger Toulouser Waidhändler wie Jean Bernuy oder Pierre Assétat zeugen auch heute noch von Reichtum und Wohlstand, den Produktion und Handel von Schlaraffen-Pulver mit sich brachten.
Als Händler von ausserhalb während ihrer Geschäftsreisen in die Südfrankreich-Region des „Pays de Cocagne“ all den Überfluss sahen, gelangte der Ausdruck „Land der Schlaraffen“ folgerichtig als Schlaraffenland in den allgemeinen Sprachgebrauch und meint heute wie damals ein Gebiet, in dem es allen nicht nur gut geht, sondern wo im Endeffekt vieles im Überfluss vorhanden ist. Es existierte noch im 19. Jahrhundert ein Spiel "Pays de Cocagne" als öffentliche Volksbelustigung auf Jahrmärkten, bei dem arme Teufel unter Aufbietung aller Kräfte versuchten, einen hölzernen Mast zu erklimmen, an dessem oberen Ende zahlreiche Leckereien wie etwa Schinken oder Würste befestigt waren. 

Schlaraffenland – Traum oder Wirklichkeit?

Einzigartige Produkte machten auch anderswo bestimmte Familien oder einzelne Städte reich – das Besondere am südfranzösischen Schlaraffenland ist jedoch die Tatsache, dass man grosse Gewinne mit der Gemeinschaft teilte, also eine ganze Region – jeder nach seinen Möglichkeiten – zum Wohlergehen aller Menschen beitrug. Der heute vorhandene weit verbreitete Egoismus der Gesellschaft in Deutschland beispielsweise würde ein Schlaraffenland wie das mittelalterliche Pays de Cocagne in Süd-Frankreich nicht mehr zulassen, egal wieviel solcher Schlaraffen es gäbe.
Mehr über Schlaraffen, Färberwald etc., erfährt man im Urlaub in Südfrankreich vor Ort, im Schlossmuseum (Château-Musée) du Pastel de MAGRIN in St-Paul-Cap-de-Joux. Von hier aus, in Sichtweite der Pyrenäen und der schwarzen Berge (Montagne Noire) breiteten sich einst die Waidwälder. Im Museum kann man u.a. Waidtrockner, Trockengestelle für die Schlaraffen besichtigen.

Château-Musée du Pastel de MAGRIN
81220 St-Paul-Cap-de-Joux
Tél. : 05 63 70 63 82
Fax : 05 63 70 51 80
E-mail : musee.pastel@tiscali.fr

Foto: VoyageMedia / suedfrankreich-netz.de


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