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Transhumanz und Hirtenkultur in Südfrankreich

Transhumanz bezeichnet den jahreszeitlichen Wechsel von Menschen und ihren Herden zwischen unterschiedlichen Klima- und Weideräumen. In Südfrankreich verbindet diese Hirtenkultur die Ebenen der Provence mit den Bergweiden der Alpen. Der Rhythmus richtet sich nach Wasser, Pflanzenwachstum und verfügbarem Futter: Wenn sich die Bedingungen verändern, ziehen Hirten mit den Tieren in eine andere Höhen- oder Landschaftszone. Das ist keine einzelne Route, sondern eine an die Jahreszeiten angepasste Form der Weidewirtschaft.

Von der Crau zu den Alpenweiden

Eine bekannte Verbindung führt aus der Crau in Richtung Alpen. Die Maison de la transhumance beschreibt, wie zu Beginn des Sommers große Herden aus der Crau auf dem Weg in die Berge auch bei Manosque zu sehen waren. Der Wechsel zwischen Ebene und Hochweide prägt die Landschaft der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur: Weideflächen in der Nähe der Rhône und des Mittelmeers stehen den saisonalen Bergweiden gegenüber. Dazu gehören Orte im Département Bouches-du-Rhône ebenso wie die höher gelegenen Gebiete der Alpes-de-Haute-Provence. Die Transhumanz macht diese unterschiedlichen Landschaften als zusammenhängenden Lebens- und Wirtschaftsraum verständlich.

Wege, Weiden und das Wissen der Hirten

Hirten beobachten Pflanzen, Gelände, Wasser und Wetter und stimmen die Nutzung der Weideflächen darauf ab. Traditionelle Wege – in der Provence etwa als drailles oder carraires bekannt – verbinden die saisonalen Räume. Ein Umzug verlangt Ortskenntnis und Erfahrung im Umgang mit den Tieren; unterwegs sind auch die Gemeinden entlang der Route Teil des Geschehens. Die Transhumanz ist deshalb mehr als das Zurücklegen einer Strecke. Sie umfasst Zucht, Versorgung und Training der Herden sowie über Generationen weitergegebenes Wissen über Landschaft und Jahreszeiten.

Die Weidehaltung nutzt natürliche Flächen und hält Tiere in Bewegung, statt sie ganzjährig am selben Ort zu halten. In Südfrankreich sind vor allem Schafe prägend; je nach Region spielen auch Rinder und Ziegen eine Rolle. Die Camargue bildet einen eigenen Weideraum am Rhônedelta. Dort verbinden sich Feuchtgebiete, extensive Landwirtschaft und Tierhaltung im Regionalen Naturpark Camargue mit anderen Formen des Pastoralismus in der Provence.

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Eine lebendige Kulturtradition

Mit den Herden wandern nicht nur Tiere. Arbeitsteilung, Handwerk, lokale Produkte und Feste gehören ebenso zur Transhumanz. Die UNESCO nahm die saisonale Wanderweidewirtschaft 2023 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf; Frankreich gehört zu den beteiligten Ländern. Die Eintragung würdigt eine Praxis, deren Wissen durch Beobachtung und gemeinsames Handeln weitergegeben wird. Die Maison de la transhumance dokumentiert außerdem Wege und Vermittlungsprojekte, die das Verständnis für Hirtenberufe und das Verhältnis zwischen Weidetieren und Landschaft stärken.

Wer sich für die regionale Vielfalt interessiert, kann die Provence-Alpes-Côte d’Azur als Verbindung zwischen Mittelmeerraum und Alpen einordnen. Im Überblick zu Traditionen und Brauchtum in Südfrankreich steht die Hirtenkultur neben den vielen regionalen Festen und Handwerken. So wird sichtbar, wie ein saisonaler Arbeitsrhythmus die Verbindung zwischen Orten, Familien und Landschaften bis heute prägt.

Die Wege zeigen außerdem, dass Weidegrenzen nicht mit Verwaltungsgrenzen zusammenfallen: Ein Hirtenbetrieb kann nacheinander sehr unterschiedliche Landschaftsräume nutzen.