Kiefernwald und Harzgewinnung bei Mimizan: Waldwirtschaft und Landschaft
Die Kiefernwälder um Mimizan zeigen eine Landschaft, die durch das Zusammenspiel von Küstenschutz, Holznutzung und Harzgewinnung geprägt wurde. Wer den heutigen Ferienort besucht, kann diese Geschichte neben Strand und Wasserlandschaft entdecken: Der Wald verbindet das Ortsgebiet mit den weiten Landschaften des Départements Landes.
Dünen befestigen, Wald entstehen lassen
Die Küstendünen waren lange eine bewegliche Naturgrenze. Im 19. Jahrhundert wurden an der Atlantikküste umfangreiche Pflanzungen angelegt, um den Sand zu stabilisieren und Siedlungen vor dem Vorrücken der Dünen zu schützen. Der heutige Küstenwald von Mimizan entstand im Zuge dieser Aufforstungen. Für die Bepflanzung weiter landeinwärts eignete sich die Seekiefer: Sie kam bereits in der Gegend vor und verträgt maritime Luft sowie arme, sandige Böden. Die Küstenschutzfunktion und die wirtschaftliche Nutzung des Holzes und der Harze bestanden dabei nebeneinander.
Die Forstgeschichte hilft, die heutige Umgebung des Ortes Mimizan räumlich einzuordnen. Wald, Dünen, Seen und Atlantik liegen hier nahe beieinander, sind aber unterschiedliche Lebens- und Landschaftsräume. Auch der benachbarte Küstenort Mimizan-Plage ist Teil dieses Übergangs vom bewaldeten Hinterland zum offenen Strand.
Gemmage: Harz von Hand gewinnen
Die Harzgewinnung, französisch gemmage, prägte über Generationen die Arbeit im Wald. Gemmeure ritzten die Rinde der Kiefern mit einem speziellen Werkzeug an; über eine Führung lief das Harz in ein am Stamm befestigtes Gefäß. Zu den verwendeten Werkzeugen gehörten Hapchot und Palette. Das Harz wurde unter anderem zu Terpentin und Kolophonium verarbeitet. Damit war der Wald nicht allein ein Schutzgürtel gegen den Sand, sondern zugleich ein Arbeits- und Wirtschaftsraum.
Die Arbeit verlangte regelmäßige Wege zwischen den Bäumen. Die örtliche Harzgewinnung endete in den 1970er-Jahren; heute ist sie vor allem als immaterielles Erbe und als Teil der Landschaftsgeschichte präsent. Saisonale Vorführungen in der Maison forestière de Leslurgues veranschaulichen diese historische Arbeit.
Waldgeschichte vor Ort verstehen
Wer Natur und Ortsgeschichte verbinden möchte, kann den Wald mit den Wasserlandschaften der Umgebung zusammendenken: Der Courant de Mimizan verbindet den See von Aureilhan mit dem Atlantik. So gehören Waldgeschichte, Seenlandschaft und Küste räumlich zusammen.