Haut-Médoc
Haut-Médoc Wein Weinanbaugebiet (Bordeaux) Südfrankreich
Die südliche, größere Hälfte der Weinanbauregion Médoc bis zum Dorf Vertheuil, wird als oberes, als Haut-Médoc bezeichnet.
Von Bordeaux aus folgt man der D 2 nordwärts und erreicht nach wenigen Kilometern Macau, ein stilles Dorf mit romanischer, im 19. Jh. umgebauter Kirche und dem idyllischen Flusshafen Port de Macau.
Gerne unternehmen Familien aus Bordeaux einen Wochenendausflug hierher und genießen fangfrische Garnelen aus der Gironde.
Wahrscheinlich würde kaum jemand das kleine Dorf Margaux kennen, läge nicht in seiner Gemeinde die renommierte gleichnamige Appellation (Herkunftsbezeichnung für Qualitätsweine).
Zur Spitzenklasse des Weinanbaugebietes Haut-Médoc zählen die als Premiers Grands Crus Classés geadelten Weine des Château Margaux ( Tel. 05 57 88 83 83, www.chateau-margaux.com, Mo-Fr 10-16 Uhr, Besuch nur nach Voranmeldung, keine Weinprobe, kein Weinverkauf). Eine Allee führt zu dem neoklassizistischen Schlösschen (1810-1816) mit ionischem Säulenportal.
Qualitätsweine gibt es auch im nahe gelegenen Château Maucaillou (Tel. 05 56 58 01 23, www.chateau-maucaillou.com. Mai-Sept. tgl 10-17 Uhr, Okt-April tgl. 10-16 Uhr, mit Weinprobe), das 1875 im Renaissancestil bei dem Örtchen Moulis erbaut wurde. In seinen ausgedienten Lagern gibt das Musée des Arts et Métiers de la Vigne et du Vin Einblick in die historische Kunst des Kelterns und die wechselhafte Geschichte des Weinbaus im Médoc. Sogar eine Küferei wurde zu Demonstrationszwecken eingerichtet, um Weinfässer aus Eichenholz herzustellen.
Im Dorf Lamarque weist ein Schild zum Gironde-Hafen Port de Lamarque, von dem aus eine kleine Autofähre nach Blaye übersetzt. Direkt am Ufer kann man sich die Überreste des Fort Médoc (Tel. 05 56 58 98 40, Besichtigung nach Voranmeldung) ansehen, das Vauban Ende des 17. Jh. baute. Über eine prächtige Allee erreicht man die mit einer Sonne geschmückte Porte Royale, das Eingangstor zu der überschaubaren Anlage. Neben einstigen Kasernen sind Kapelle, Zisterne und Pulvermagazine erhalten. Vom Wachhaus Corps de Garde hat man einen weiten Block über die breite Gironde bis zur gegenüberliegenden Festung von Blaye.
Das wenige Kilometer entfernte Château Lanessan (Tel. 05 56 58 94 80, www.bouteiller.com) bietet in ungewöhnlicher Landhausarchitektur ein sehenswertes Musée du Cheval (tgl. 9-12 und 14-18 Uhr). Der Bordelaiser Reeder Jean Delbos hatte den Besitz 1793 erworben, sein Sohn ließ die Ställe mit Futtertrögen aus Marmor, Klima- und Futterportionieranlage sowie fließendem Wasser ausstatten! In diesem geradezu luxuriösem Umfeld kann man historische Pferdekutschen bewundern.
Pauillac ist Weinliebhabern ein Begriff, liegen doch innerhalb der Gemeinde die weltbekannten Güter Château Mouton-Rothschild, Latour und Lafite-Rothschild. Das Hafenstädtchen selbst besitzt eine einladend gestaltete, von Blumenrabatten und Geschäften gesäumte Uferpromenade entlang des großen Jachthafens – lediglich das Atomkraftwerk an jenseitigen Ufer der Gironde stört die Idylle.
Die Weine des bekannten Château Mouton-Rothschild nordwestlich von Pauillac bei Pouyalet hatten bei der ersten Klassifizierung 1855 „nur“ den Rang Deuxième Cru erreicht. Erst 1973, nach langem Ringen des damaligen Besitzers Baron Philippe de Rothschild, wurde die Klassifikation revidiert. Seitdem zählt der Château Mouton-Rothschild auch offiziell zur ersten Garde, zu den Premiers Grands Crus Classés.
Bei einer Besichtigung des Gutes schreitet man durch die beeindruckenden Weinkeller und bewundert Etiketten, die seit 1945 von namhaften Künstlern wie Pablo Picasso, Andy Warhol, Marc Chagall oder Salvador Dalí gestaltet wurden. Im 1963 eingerichteten Privatmuseum (Tel. 05 56 73 21 29, www.bpdr.com, Besichtigung mit oder ohne Weinprobe nach Voranmeldung) ist eine einzigartige Sammlung von Kunstwerken zu sehen, die alle – ob Wandteppich, Skulptur oder Porzellan – in Zusammenhang mit Wein stehen.
Die meisten Château sind architektonisch in der gediegenen Eleganz des 19. Jh. gehalten. Daher überrascht etwa 3 km nördlich, unmittelbar in einer Kurve rechts an der D2 das Château du Cos d'Estournel (Tel. 05 56 73 15 50, www.cosestournel.com, kann trotz Restaurierung z. T. besichtigt werden, Weinverkostung möglich).
Der flache, im Geviert erbaute Weinkeller ist außen mit Blendarkaden versehen und die drei achteckigen Türmchen an der Frontseite erinnern an Pagoden. Der Soldat, Reisende und Lebemann Louis Gaspard d'Estournel ließ das originelle Gebäude 1830 erbauen und setzte als Eingangsportal nicht Geringeres als das Tor des Sultanspalastes von Sansibar ein. Seinen erstklassigen Wein tauschte der Pferdeliebhaber bevorzugt gegen Vollblüter aus Arabien bzw. Vorderasien, was ihm den Beinamen Maharadscha von Saint-Estèphe einbrachte.
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