Stierkampf Camargue
Ferias Stierkampf in Südfrankreich (Course Camarguaise)
Zwei Arten von Ferias oder Stierkampf kennt man in Südfrankreich: Der Course Camarguaise, bei dem die Kämpfer mit Schnelligkeit und Geschick versuchen, dem Stier ein Band zwischen den Hörnern zu entreißen, ist die unblutige Variante des Stierkampfes.
Diese Art der Stiekämpfe ist sehr volkstümlich, und lockt tausende Besucher in die Stierkampf-Arenen im Departement Hérault.
Grosse Ferias (Stierkämpfe) finden besonders in Arles, der alten römischen Stadt in der Camargue und dem Crau statt. Zwei Mal im Jahr findet in Arles eine große Feria statt - ein großes Straßenfest mit deutlichen spanischen Einflüssen.
Damit eine Feria zum grossen Spektakel wird, ist viel Arbeit nötig. Die südfranzösischen Cowboys (Gardien) auf ihren weissen Camarguepferden und die Züchter der schwarzen, halbwilden Stiere in der Region haben die kräftigsten und schönsten Tiere ausgewählt.
Am Tag der Feria sind die Menschn überall auf den Beinen: Einige der Stiere werden als Teil der Feria mit roten und weissen Bändern geschmückt und von jungen Männern zum Ort des Kampfes in die Arena getrieben.
Ihnen folgt ein festlicher Umzug (Defilee) in der Arena, an dem zahlreiche Festwagen und Menschen in traditionellen Kostümen, sowie Musikgruppen Tänzer, Reiter teilnehmen.
Dann folgen die Kämpfer: Rasetuer oder Tourneur genannte mutige (und nicht nur ganz junge) Manner, weiss gekleidet mit rotem Halstuch nehmen entlang der runden Arena Aufstellung.
Nun kommen die eigentlichen Hauptdarsteller, die Stiere (Taureau), deren prachtvolle, schwarze und wilde Erscheinung laute Rufe der Begeisterung und auch des Respekts in der Arena auslösen. Der Stier wird hier auch Concardier genannt, denn er ist es der die heiss begehrte Siegestrophäe, die Kokarde, zwischen seinen spitzen Hörnern trägt.
Ein Raunen geht durch die bis auf den letzten Platz gefüllten Besucherreihen wenn das Spiel beginnt – denn es ist wirklich nur ein Spiel, ohne jede Tierquälerei!
Ein Spielabschnitt des Stierkampfes, ein "raset" spielt sich in vier Etappen ab und ist natürlich beendet, sobald der Sieger die Kokarde stolz in die Luft hält und sich seinen verdienten Applaus holt:
Der „Dreher“ (Tourneur), meist ein früherer „Rasateuer“, zieht die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich und versucht ihn abzulenken.
Der oder die „raseteur“ springt vom Rand der Arena, rennt seitlich auf den Stier zu, der ihn durch die Ablenkung erst später bemerkt hat.
Wenn alles gut geht und der „Concardier“ dem „Raseteur“ nun folgen will, überschneiden sich die Laufwege der beiden und der junge Mann versucht mit einem blitzschnellen Griff von oben zwischen die Hörner des Stieres zu gelangen sowie die dort befestigte Kokarde abzureissen.
Egal ob dies gelingt oder nicht, nach diesem kurzen Augenblick heisst es schnell die Umzänung der Arene zu erreichen und sich schnell hinaufzuziehen, denn nun folgt der Stier und reisst dabei den Kopf hoch. In seiner blinden Verfolgung kann der Stier dabei durchaus noch den Hinter oder andere Körperteile des Raseteurs erwischen. Bis auf kleinere Risswunden oder einige blaue Flecke jedoch entstehen auch den Kämpfern keine Verwundungen.
Die Course Camaguaise als spielerischer Kampf und traditionelles Kräftemessen in Südfrankreich zwischen Mensch und Tier ist bis heute ein grosses Freizeiterlebnis und wird alljährlich von tausenden Besuchern und Touristen besucht.
Die Kämpfer, vor allem aber auch die Stiere, geniessen höchste Wertschätzung. So wundert es nicht dass berühmte Tiere nach ihrem friedlichen Leben und vielen Ferias in Südfrankreich ein besonders schönes Grab bekommen.
Der klassische Stierkampf, bei dem der Stier getötet wird, ist eine andere, mittlerweile sehr umstrittene Art des Kampfes. Da wir das Töten von Tieren zum Vergnügen ebenso generell ablehnen wie das Töten zur Pelz-, Schmuck- oder Aphrodisiaka-Gewinnung, wollen wir hierzu keine Informationen geben.
Bild: Völlig ungefährlich zumindest für den Stier: Course Camarguaise, Stierkampf in Südfrankreich (wikimedia, Ben.83)
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