Westliche Altstadt
Bordeaux: Westliche Altstadt
Folgt man dem Cours Victor Hugo nach Westen, sieht man hier, in der westlichen Altstadt von Bordeaux, rechts bald die Grosse Cloche.
Der wuchtige, unverwechselbare Bau diente im 13. Jh. als Stadttor und Uhrturm des damaligen Rathauses. Er ist eines der wenigen Relikte der Plantagenêt-Herrschaft in Bordeaux.
Bild: Gros Cloche (Grosse Glocke)
Wie der Name bereits sagt, hing hier seit jeher eine „dicke Glocke“, die zu Beginn der Weinlese oder bei Bränden ertönte. Die heute über der Uhr sichtbare Glocke stammt aus dem l8. Jh. Einige Querstraßen weiter kreuzt man die Rue Ste-Catherine, die quirlig lebhafte Fußgängerzone bis zur Place de la Comédie, danach biegt rechts der Cours Pasteur ab.
Seit 1986 stellt dort in dem lang gestreckten Bau der ehem . Faculté des Lettres (1885) das Musée d'Aquitaine (Di-So 11-l8 Uhr) wichtige archäologische
Funde der Region aus und bietet einen umfassenden Überblick über die Stadtgeschichte. Es gibt römische Spiegel und Parfümfläschchen zu sehen oder Rüstungen und Wappen aus dem Hundertjährigen Krieg.
Weitere Abteilungen widmen sich dem Weinbau, der Austernzucht und der Schifffahrt. Mittlerweile wird hier auch das 20. Jahrhundert historisiert, seit 2004 geht eine Dauerausstellung auf die letzten hundert Jahre in Aquitanien ein.
Nördlich läuft die Cours Pasteur bzw. die Rue Dubergier schnurgerade auf die freistehende Tour Pey-Berland (Di-So 10-12.30 und 14-17.30 Uhr) zu, 1440 erbaut und nach ihrem erzbischöflichen Auftraggeber benannt. Von der Aussichtsgalerie des 113 m hohen Glockenturms hat man einen herrlichen Blick über die Stadt, die Garonnebiegung und das Umland. Seit 1863 ziert die aus vergoldetem Metall gearbeitete Statue Notre-Dame-d'Aquitaine, eine bekrönte Maria mit Jesuskind auf dem linken Arm, die Turmspitze.
Die Tour Pey-Berland überragt deutlich die beiden Kirchturme der unmittelbar benachbarten Cathédrale St-André, die zu Beginn des 12.Jh. auf romanischen Grundmauern entstand. Kaum war der einschiffige Hauptbau errichtet, fand in der Kathedrale am 25. Juli 1137 die Hochzeit von Aliénor d'Aquitaine mit dem Thronerben Frankreichs, dem späteren Louis VII. Statt. 1250 – 1400 wurde das Gotteshaus um ein Querschiff und den erhöhten Chor erweitert.
Im Gegensatz zur schmucklosen Hauptfassade ist das Nordportal von 1130 reich mit Steinmetzarbeiten geschmückt: Oben sieht man Christus den Erlöser, darunter Christi Himmelfahrt, dann das Letzte Abendmahl. In den Wölbungen finden Figuren von Engeln, Aposteln und Propheten ihren Platz. Rechts daneben befindet sich die schöne Porte Royale, das Königsportal von 1250, das seit Beginn des 19. Jh. geschlossen ist. Es zeigt im Tympanon eine kunstvolle Darstellung des Jüngsten Gerichts, beiderseits der Tür Skulpturen der Apostel und Bischöfe. Harmonisch ist das 124 m lange Kircheninnere mit dem weiten, von einem Rippengewölbe überspannten Langhaus, eindrucksvoll auch der hochgotische Chor mit Kapellenkranz.
Jenseits des Kathedraleingangs befindet sich das 1170 erbaute, zweiflügelige Palais Rohan, das nur kurze Zeit – bis zum Ausbruch der Französischen Revolution 1789 – Sitz des Erzbischofs war und seitdem als Hôtel de Ville, als Rathaus, dient. In einem nördlichen Nebengebäude inmitten des Jardin de la Mairie ist das Musée des Beaux-Arts (Mo-So 11-18, Mi bis 20 Uhr) untergebracht.
Neben Arbeiten von in Bordeaux einst heimischen Malern wie Odilon Redon und Albert Marquet sind Gemälde von Jan Brueghel, Tizian, Rubens, Delacroix und Renoir zu sehen.
Nördlich des Rathauses kann man in der Rue Bouffard in einem freistehenden, eleganten Stadtpalais vom Ende des 18. Jh. das Musée des Arts Décoratifs (Mi-Mo 14-18 Uhr) besuchen. Das 1779 für den Marquis Pierre de Raymond de Lalande erbaute prachtvolle Gebäude mit seinen holzgetäfelten Salons ist ebenso sehenswert wie die Exponate aus dem 18./19.Jh.: Porzellan aus Delft und Rouen, Keramik, Mobiliar, Goldschmiede- und Glasarbeiten kurz alles, was eine vornehme Wohnung noch feiner machte.
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