Stadtviertel (Quartier)
Besondere Stadtviertel (Quartier) von Bordeaux
Bordeaux präsentiert in seiner schönen Altstadt neben bekannten Bauwerken, Strassen und Plätzen auch ganz besonders erwähnenswerte Viertel (Quartier) wie das Quartier des Chartrons und das Quartier St-Michel.
Quartier des Chartrons
Von der Esplanade des Quinconces kann man nordwärts ins Quartier des Chartrons schlendern.
Im 16. Jh. hatten Niederländer die hier sumpfigen Ufer der Garonne trockengelegt, im 17.Jh. ließen sich protestantische holländische, englische und deutsche Kaufleute nieder, die florierende Handelshäuser erbauten und vielfach Weingüter im Umland aufkauften.
„Korkenadel“ (Noblesse du bouchon) nannte man diese wohlhabende Kaufmannsschicht. Ihre herrschaftlichen Häuser mit elegant gewölbten Balkonen und Lagergebäude erlebten im 20. Jh. eine sukzessive Renovierung und erstrahlen wieder in warmen, hellen Farben. Allerdings findet man statt Weinkellereien heute oft Antiquitätenläden.
In der Rue Ferrère verbirgt sich hinter unscheinbarer Fassade ein Tempel zeitgenössischer Kunst, das Centre d'Art Contemporain (Di-So 11-18 Uhr, Mi bis 20 Uhr). Die Stadt bewahrte ein 1822-24 erbautes Lagerhaus für Kolonialwaren an der Garonne, das Entrepôt Laîne, vor dem Abriss und verwendet es seit 1984 für museale Zwecke. Die Architektur der riesigen, von Rundbögen getragenen Halle und davon abgehende Seitengalerien, kontrastiert faszinierend mit den Exponaten, meist avantgardistischen Objekten, die auf bis zu 14 200 m² in Wechselausstellungen präsentiert werden.
Weiter nördlich, am Quai des Chartrons, liegt der Croiseur Colbert (tgl. 10-18, Sa/So bis 19 Uhr) vertäut, der letzte, 1956 vom Stapel gelaufene Kreuzer der französischen Marine. Er kann von der Brücke bis zur Kombüse besichtigt werden. In eine Baulücke in der alten Fassadenfront am Kai setzte der bordelaiser Architekt Michel Petuaud-Letang die sechsstöckige Cité Mondiale du Vin mit viel Glas und Metall, ein 7000 m² großes Konferenz- und Geschäftszentrum für Weinhändler mit kleinem Museum der Wein herstellenden und verkostenden Bruderschaften, Restaurants und Geschäften.
Um den Stadtrundgang im Grünen ausklingen zu lassen, bietet sich der sehr schöne Jardin Public an, den Intendant Tourny 1756 als 15 ha großen, barocken Garten anlegen ließ.
Unter Napoleon III. wurde er zu einem Landschaftsgarten mit Teichen und Brückchen umgewandelt. 5000 m² davon nimmt der 1856 gegründete Botanische Garten Jardin Botanique ein, der über 3000 verschiedene Pflanzenarten, u.a. wunderschöne Lilien und Orchideen, zeigt. Am Westrand des Parks beherbergt das 1778 erbaute, pavillonartige Hôtel Lisleferme seit 1862 das Naturkundemuseum Musée d'Histoire Naturelle (Mi-Mo l1-18 Uhr, Sa/So ab 14 Uhr). Es umfasst zoologische und mineralogische Sammlungen mit Exponaten aus aller Welt, etwa das Skelett eines Blauwals.
Quartier St-Michel
Südlich des Cours Victor Hugo beginnt der pittoreske Stadtteil St-Michel. Hier lebt in erschwinglichen Mietshäusern ein buntes Völkergemisch aus Bordelais, Maghrebins, Spaniern und Portugiesen.
Ein besonderes Erlebnis ist der am Sonntagvormittag auf der Place St-Michel stattfindende Flohmarkt Marché aux Puces. Das Angebot umfasst Kitsch und Kunst, spiegelt daneben aber auch Bordeaux' multikulturelle Vielfalt wider.
Seinen Namen erhielt der ausgedehnte Platz nach der spätgotischen Basilique St-Michel, die sich seit 1350 (Fertigstellung 1475) in seiner Mitte erhebt. Das äußerlich schmucklose Gotteshaus ist innen prächtig ausgestattet. Aufmerksamkeit erwecken vor allem das reich geschnitzte Chorgestühl, aber auch die Barockorgel und die modernen Buntglasfenster, u.a. von Max Ingrand. Einige Meter westlich der Basilika steht der sechseckige Glockenturm (1472-92), im Volksmund La Flèche, der Pfeil, genannt.
Von dem 114 m hohen Turm - nach dem des Straßburger Münsters der zweithöchste Frankreichs - hat man einen ausgezeichneten Blick über die Schleife der Garonne und die Innenstadt bis weit über die Vororte von Bordeaux hinaus (Juli/August15-19 Uhr).
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